Hufrehe
Huflederhautentzündung: nicht jede Huflederhautentzündung wird zur Hufrehe, aber jede Hufrehe beinhaltet eine Huflederhautentzündung! Deshalb ist es äußerst wichtig, schon bei dem geringsten Hinweis eine Behandlung einzuleiten. Man unterscheidet die Sohlenhautentzündung und die Wandhautentzündung. Erstere entsteht durch zu stark abgelaufenes Sohlenhorn, zu langes Laufen auf harten steinigen Böden, zu langes Aufbrennen der Eisen oder andauernde Fehlstellungen. Es kann zu einer doppelten Sohle kommen, wenn sich schon neues Horn bildet, bevor das alte entfernt wurde. Zwischen diesen Schichten kann es zu Fäulnisprozessen kommen. Die Wandlederhaut entzündet sich durch eindringende Keime durch Nagellöcher, Vernagelungen, durch Fäulnis in der weißen Linie, Fehlstellung (insbesondere Zwanghuf) oder durch aufsteigende Sohlenhautentzündung. Hier kann es zur losen Wand kommen, bei der die Verbindung zwischen Wandhorn und inneren Hufteilen getrennt wird und die Wand großflächig abbricht. Der Huf verliert seine Tragkraft. Jede Form der Lederhautentzündung kann auch durch Eiweiß- oder Fruktanvergiftung entstehen und sich zur Hufrehe verkomplizieren. Es kommt zur Zusammenhangstrennung der Lamellenschicht und zur Rotation bis Absenkung des Hufbeines.
Konservativ versucht man mit Klebe- oder Kaltbeschlägen die Hufsohle zu entlasten, mit Boxenruhe und antibiotischen und entzündungshemmenden Medikamenten den Verlauf zu stoppen und die Heilung einzuleiten.
In der ganzheitlichen Therapie wird der Huf möglichst in seine physiologische Stellung gebracht, aber barhuf belassen, um den Hufmechanismus und damit die Durchblutung weitestgehend zu erhalten. Es wird so viel Bewegung empfohlen, wie das Pferd freiwillig zulässt, allerdings sollten Stöße und Sprünge vermieden werden. Um die Schlacken, die sich durch die nekrotisch verlaufende Entzündung im Huf ansammeln, zu entfernen, ist eine ausleitende Behandlung angeraten. Hierfür eignet sich beim Pferd die Blutegelbehandlung ganz ausgezeichnet. Die Blutegel sorgen aber nicht nur für die Ausleitung, sie geben auch wichtige Wirkstoffe mit ihrem Speichel (Saliva) ins System: entzündungshemmende, antibiotische, blutverdünnende, gerinnungshemmende und sauerstofffördernde Substanzen beschleunigen den Heilungsprozess rasant. Man kann diese Zusammensetzung kaum synthetisch kopieren, da der Blutegel in der Lage ist, die Mischung auf die speziellen Bedürfnisse seines Patienten anzupassen. Ergänzend hilft eine Eigenblutbehandlung und die Gabe von geeigneten Komplex- oder Einzelmittelhomöopahtika, die der Therapeut je nach Symptomlage und Entstehung auswählt. Der Pferdehalter kann mit kalten Umschlägen oder kalten Bädern, mit Schrittbewegung, strenger Eiweißdiät und Massagen helfen, die Regeneration zu beschleunigen. So kann man eine Komplikation zur Hufrehe verhindern. Sollte die Lederhautentzündung nicht zum ersten Male aufgetreten sein, empfiehlt sich eine Stoffwechseluntersuchung und ggf. eine ganzheitliche Entgiftung und Regenereation der ausleitenden Organe Leber und Nieren.
Ausgelöst wird der Prozess der Hufrehe durch Vergiftungen im weitesten Sinne: Eiweiß- oder Fruktanüberfütterung, Intoxikationen durch Geburtsstörungen, endotoxische Prozesse durch Über- oder Fehlbelastungen, Komplikation von Huflederhautentzündungen. Wenn nun zur Abwehr der Intoxikation eine Entzündung gebildet wird, kommt es zu vermehrter Durchblutung, zu Hitzeentwicklung und starkem Schmerz. Das Pferd bewegt sich weniger oder gar nicht mehr. Die Blutpumpe kommt nicht zum Einsatz. Dadurch kann nun das vermehrt zugeführte Blut nicht abgepumpt werden, es entsteht eine Stauung. Der Schmerz wird schlimmer. Die Bewegung wird gänzlich eingestellt. Das Pferd nimmt in einer unverkennbar typischen Haltung sein gesamtes Gewicht auf die Trachten, um die vorderen Bereiche der Hufe zu entlasten.
Die Blutpumpe kommt völlig zum Erliegen, da sich das Pferd durch den Schmerz kaum bewegen mag. Die Physiologie der körpereigenen Heilung bedingt aber eine stärkere Blutzufuhr. Dieses neue Blut kann aber immer weniger auf dem Venenwege fortgeschafft werden. Der Druck wird immer größer. Die Zellen, die durch die Entzündung rasch absterben, können nicht mehr mit dem venösen Blut und dem Lymphstrom abtransportiert werden. Sie müssen vor Ort abgebaut werden, es kommt zur Nekrose, die sich soweit verschlimmern kann, dass es zu einer Ablösung des Hufbeines von der Lamellenschicht kommt. Nun dreht sich das Hufbein aus seiner physiologischen Position und kann im schlimmsten Falle durch die Hufsohle brechen.
Der Schmerz der Hufrehe muss für Pferde unerträglich schlimm sein, nicht selten verläuft die Krankheit mit stark verzehrenden Nebenerscheinungen: Fressunlust, Fieber, wenig Durst, Apathie, es kommt vor, dass das Pferd nur noch liegt, was in der freien Natur lebensgefährlich wäre. Um den Tierbesitzern die Gefühle des Pferdes zu verbildlichen, vergleiche ich den Schmerz damit, dass einem selbst ein Bello (20kg Hammer) auf den dicken Zeh gefallen ist. Nun muss man mit diesem schmerzenden Zeh wandern gehen. Bei einem Pferd mit Hufeisen stelle man sich vor: der Mensch trägt einen Schuh der zwei Größen zu klein ist und steckt bei der Wanderung mit seinem geprellten Zeh darin. Soll der Rehehuf nun eingegipst werden? Der zu kleine Schuh ist ein Holzschuh! Wer hat Lust auf eine Wanderung?
Erste Maßnahmen: Ich empfehle, die Eisen abzunehmen, wenn der erste Verdacht auf Hufrehe besteht. Die Beine sollten so oft es geht gekühlt werden, und ideal ist es, wenn man das Pferd in nassen Sand stellen kann, der unterstützt die ganze Hufsohle und das Gewicht wird verteilt. Das Pferd darf kein protein- und fruktanhaltiges Futter bekommen, absolut strenge Heu- u. Strohdiät!!! Man sollte ihm lauwarmes Wasser zum Trinken reichen, kaltes verweigern die Pferde oft instinktiv. Die Wasseraufnahme ist für die Viskosität des Blutes so wichtig. Ein Aderlass, von Tierarzt oder Heilpraktiker durchgeführt, ist hilfreich. Die Gabe von Schmerzmitteln ist bei der Hufrehe durchaus sinnvoll, da das Pferd sich damit wieder etwas mehr bewegt und die Blutpumpe angeregt wird. Blutverdünnende Medikamente sind nur im absoluten Anfangsstadium sinnvoll, wenn das Pferd die Bewegung schon völlig verweigert, bringen sie nur mehr Blut in den Huf, aber nicht hinaus.
Die obige Beschreibung der sich immer weiter steigernden Stauung macht diese Krankheit für eine Blutegel-Behandlung prädestiniert. Rechtzeitig eingesetzt können die Blutegel genügend Blut zum Abfluss bringen, um die absolute Stauung zu verhindern. Die Wirkstoffe der Saliva sorgen für eine effektivere Durchblutung und einen besseren venösen und lymphatischen Abfluss. Entzündungsprozesse werden milde gestimmt, so dass ein entspannter Heilungsverlauf erreicht werden kann. Liegt bereits eine Kreislaufschwäche (schwacher Puls, Kurzatmigkeit, Teilnahmslosigkeit) oder gar Fieber vor, müssen diese Beschwerden zuerst behandelt werden, damit der kleine Aderlass der Egeltherapie verkraftet wird.
Akute Hufrehe, rechtzeitig behandelt, hat mit der Blutegelbehandlung, entsprechender homöopathischer Nachsorge und strenger Einhaltung der Haltungsvorschriften eine sehr gute Heilungschance.
Bei der chronischen Hufrehe muss eine harmonische Zusammenarbeit von Hufbearbeiter und Therapeut erfolgen, denn nur der fachmännisch zugerichtete Huf kann optimal auf die Behandlung ansprechen. Und nur der optimal behandelte Organismus kann neues gesundes Horn bilden und eine gesunde Lamellenschicht nachschieben. Die Hufbeinrotation kann im günstigsten Fall wieder aufgerichtet werden, eine Absenkung wird aber immer in gewissem Grade bestehen bleiben. Wichtigstes Ziel bei der Behandlung ist eine erneute Befestigung des Hufbeines in der Hornkapsel, was anfangs durch eine bindegewebige Ersatzschicht im Bereich der Lamellen (weiße Linie) und später durch gesundes nachwachsen der Lamellen erfolgt. Neben der oben schon erwähnten sinnvollen Hufbearbeitung, einer unbedingt notwendigen Regeneration des Gesamtstoffwechsels ist eine gezielte homöopathische Arzneimittelgabe in Verbindung mit einer Blutegelbehandlung am Erfolg versprechendsten.